CD-Rezension / Review / Kritik

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the legendary pink dots pages of aquarius

The Legendary Pink Dots
„Pages Of Aquarius“
(Metropolis/Soulfood)
Zugegeben: Etwas Hippieskes haftete dem Schaffen des Edward Ka-Spel und seinen Legendary Pink Dots seit jeher an, genauer: seit rund 35 Jahren. Zwischen düster verschrobenen Pop-Songs und psychedelischer Improvisation pendelnd, entfaltete sich nach und nach ein bewusst inkohärent ausgemaltes Bild von gescheiterten Idealisten und Weltverbesserern. Mit „Pages Of Aquarius“ deutet die Band die latent desolate Verfassung komplett anders, neu und dennoch unverkennbar um: Angesichts einer sich vollziehenden Zeitenwende bejahen die Legendary Pink Dots das Kommende. Mit extrem verdichteten, konzise gestreuten perspektivischen Verschiebungen, an deren Ende eine Zuversicht steht, die fast schon als politisch unkorrekt deklariert werden könnte. Anders als bei so manchen Veröffentlichungen zuvor, die sich der deutlichen Lesbarkeit entzogen, betont „Pages Of Aquarius“ die Relevanz jedes einzelnen Tons. Der nach wie vor gegebene Spieltrieb scheint im Sinne einer Konsolidierung der Kräfte gebändigt. Nur um mit chirurgischer Präzision dort anzusetzen, wo die Amygdala am empfindlichsten ist. Und wenn die Legendary Pink Dots auch noch so häufig um die Ecke denken und eventuell brüskierende Konstruktionen darbieten: Dem generellen Verständnis halten sie sämtliche Himmelspforten offen. Willkommen im Zeitalter des Wassermanns. Durch ihn und in ihm und mit dieser wunderbaren Scheibe bleiben wir - zumindest geistig - taufrisch.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

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