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2nd face nemesis

2nd Face „Nemesis“

(Dependent/Al!ve)
Mit anspruchsvoller EBM aus deutschen Landen ist es so eine Sache: Zu oft mündet das Ganze in allzu aggressives Hellectro-Gebolze oder mediokren Synthie-Pop und tanzt nicht einmal einen Sommer im Düster-Club des Vertrauens. Was aus dem Rhein-Main-Gebiet herüber schwappt, verdient daher umso intensiveres Hinhören: Thorn, Mastermind hinter 2nd Face, ist gerade einmal 21 Jahre alt – und trotzdem mit allen kanadischen Wassern der gehobenen elektronischen Klangerzeugung gewaschen. Da knattern die Bässe in Tracks wie dem gewaltig auftrumpfenden Opener „Instinct“ oder „Movement“ so voluminös, dass dem Hörer fast augenblicklich die große Zeit von Bill Leeb in den Sinn kommt – also die späten Achtziger und frühen Neunziger Jahre. Aber auch für die übrigen zehn Stücke gilt: Die Atmosphäre ist unheilvoll, die Stimme unerbittlich (wenngleich nur mäßig verzerrt), der Spannungsbogen enorm. Egal, ob „Divine“, „Weapon“ und die Vorabsingle „1st Of His Name“ das Tempo anziehen und augenblicklich die Tanzböden vollmachen oder „Brother“ auch ansatzweise das Thema Electro-Metal anreißt. Dass letzterer Song an der Acht-Minuten-Marke kratzt und „Insanity“ zum Schluss sogar noch Spielzeit drauflegt, rückt 2nd Face gar in die Nähe der notorischen Komplex-Texaner Mentallo & The Fixer – dennoch liegt ein Verdienst dieses Albums in seiner Eigenständigkeit, die trotz der teils unüberhörbaren Inspirationen stets gewahrt bleibt. Voraussichtlich jetzt schon das Electro-Debüt des Jahres – spätere höhere Weihen nicht ausgeschlossen.
Thomas Pilgrim

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